Pflege
© iStock.com/Pablo K

Pflegelehre – es geht nichts weiter!

Wirtschaftskammer: Personalnotstand im Bereich der Pflege ist auch hausgemacht.

Bereits im Jahr 2006 wurde das Thema Pflegelehre von der Wirtschaftskammer Vorarlberg als ein Lösungsansatz und als Ergänzung zur schulischen Pflegeausbildung ins Spiel gebracht.

„Jetzt medial über einen Personalnotstand zu klagen, ist etwas skurril und auch ein Stück weit hausgemacht, hat man doch über Jahre verschlafen, eine duale Ausbildung als einen möglichen Ausweg aus dem Personaldilemma umzusetzen“, sagt Peter Girardi, Fachgruppenobmann der Vorarlberger Gesundheitsbetriebe.

Der größte und dringlichste Handlungsbedarf bestehe in der Gewinnung und Bindung von ausreichend qualifiziertem Personal, um einerseits eine adäquate flächendeckende Versorgung sicherstellen zu können und andererseits die Belastungen für die in diesem Bereich tätigen Mitarbeiter:innen nicht über das Maß anderer Berufsgruppen hinauswachsen zu lassen.

Im Herbst 2022 – coronabedingt mit einem Jahr Verzögerung ­– soll Vorarlberg wie auch Niederösterreich nun zur Pilotregion für die Pflegelehre werden. Doch derzeit würden sich die drei Ministerien – Gesundheit, Wirtschaft und Bildung – immer noch gegenseitig die Verantwortung dafür zuschieben. Obwohl die Einführung der Pflegelehre im Arbeitsprogramm der Bundesregierung enthalten ist, warte man weiter auf konkrete Vorgaben aus Wien. „Dieses Ping-Pong-Spiel auf Bundesebene geht auf Kosten der Betriebe und der Personen, die dringend Pflege und Unterstützung brauchen. Wir haben unzählige von Gesprächen auf allen Ebenen geführt und viel Zustimmung signalisiert bekommen, dennoch geht aktuell nichts vorwärts“, erklärt Girardi.

Dringende Vorlaufzeit

Um eine Umsetzung im Herbst 2022 gewährleisten zu können, brauche es einer gewissen Vorlaufzeit. „Wir laufen Gefahr, auch den Termin für 2022 nicht halten zu können, wenn nicht bald die rechtlichen Voraussetzungen vorliegen“, kritisiert der Fachgruppen-Obmann. „Wir können nicht länger warten. Wir müssen jetzt die Weichen stellen.“

Andere Länder würden es wieder einmal vorzeigen: In Deutschland wurde eine duale, betrieblich gebundene Pflegeausbildung (Pflegefachfrau/-mann) mit Jänner 2020 eingeführt. Bereits seit mehr als 15 Jahren wird eine betrieblich gebundene, duale Ausbildung im Pflegebereich in der Schweiz angeboten.

Vorarlberger Betriebe stellen sich Verantwortung

Pflegeheime und Sozialeinrichtungen in Vorarlberg wollen sich der Verantwortung stellen, junge Menschen als Lehrlinge aufzunehmen und ihnen diesen Berufsweg zu ermöglichen. Ein Großteil der mehr als 50 Gesundheitsbetriebe im Land Vorarlberg ist bereit, ein Ausbildungsbetrieb zu werden. Das zeigte eine im Jahr 2018 durchgeführte Umfrage der Fachgruppe der Gesundheitsbetriebe Vorarlberg in der Wirtschaftskammer. Es könnten mindestens 30 Lehrplätze pro Jahr geschaffen werden. „Diese Chance zu ignorieren wäre daher fahrlässig und unverantwortlich. Wer jetzt nicht reagiert, ist mitverantwortlich für die Verschärfung des Pflegenotstands“, betont Peter Girardi und sagt weiter: „Eine duale Ausbildung im Lande ist eine sinnvolle Ergänzung zur bestehenden schulischen Ausbildung. Besser ist es eigene Pflegemitarbeiter auszubilden als sich zum Beispiel mit philippinischen Pflegekräften ,auszuhelfen‘“.

Weitere Newsmeldungen

Thomas Wachter

WIFI Kursprogramm 22/23: Mit Weiterbildung fit für die digitalisierte Arbeitswelt

Das neue WIFI Kursbuch mit rund 1.800 Ausbildungen aus allen Wissensgebieten ist ab sofort in allen WIFI-Standorten erhältlich oder kann unter wifi.at/vlbg bestellt werden.

25.5.2022
Mehr lesen
FFP2 Maskenpflicht

Weitgehendes Aussetzen der Maskenpflicht mit 1. Juni angekündigt

Verpflichtung zum Tragen einer FFP2-Maske nur mehr in vulnerablen Settings

25.5.2022
Mehr lesen
Meisterfeier 2022

165 Meisterbriefe im Vorarlberger Gewerbe und Handwerk verliehen

Mit einem großen Festakt in der Kulturbühne AMBACH in Götzis wurden Donnerstagabend (19. Mai) die neuen Jungmeisterinnen und Jungmeister aus dem Vorarlberger Gewerbe und Handwerk geehrt. „Ihr großes Engagement ist beachtlich und wird in ihrer beruflichen Zukunft Früchte tragen – denn hinter jedem einzelnen Meistertitel stecken großartige Erfolgsgeschichten“, hielt Spartenobmann Bernhard Feigl beim Überreichen der Meisterbriefe fest.

23.5.2022
Mehr lesen
zurück zur News- & Meinungenübersicht