Christoph Mathis
© Mauche Daniel

Knapp 1.400 Neugründungen in einem Jahr

Die aktuelle Bilanz des Gründerservice in der Wirtschaftskammer Vorarlberg bestätigt den Rekordkurs unserer Gründungslandschaft: Mit 1.387 Neugründungen übertreffen die Zahlen das Vorjahresergebnis um über 16 Prozent – „Dieser Meilenstein dokumentiert den starken Unternehmergeist der Vorarlberger:innen, trotz aller Umstände“, betonen WKV-Präsident Hans Peter Metzler und Direktor Christoph Jenny. Erfreulich bleibt die nach wie vor große Nachfrage nach Gründungsberatungen, doch es braucht auf manchen Ebenen auch Justierungen an den Rahmenbedingungen für Gründer:innen.



„Fast 1.400 Neugründungen in einem Jahr. In anderen Zahlen ausgedrückt entspricht das einer Quote von fast vier Gründungen pro Tag – das ist nicht nur ein beeindruckender Wert, sondern zeigt auch auf, dass sich die Vorarlberger Gründer:innen von der Krise nicht ausbremsen lassen haben“, freut sich Präsident Hans Peter Metzler. Demnach herrsche ein großes Vertrauen in die hervorragende Wirtschaftsstruktur und der gute Branchenmix bilde einen idealen Nährboden für Gründungsvorhaben und verschiedenste Geschäftsmodelle, führt Metzler aus. „Dieser Unternehmergeist und diese Entschlossenheit, auch trotz der Krise den Schritt in die Selbständigkeit zu machen und damit viel Verantwortung zu übernehmen muss mit allen Mitteln unterstützt werden. Wir halten konsequent an unseren Forderungen für die richtigen Rahmenbedingungen und bürokratische und steuerliche Entlastungen fest“, stellt WKV-Direktor Christoph Jenny klar. 

Der Weg in die Selbstständigkeit

„Die Hauptmotive, sich in Vorarlberg selbstständig zu machen, waren laut entsprechender Motivumfrage des Gründerservice bei 77,9 Prozent der Befragten, in der eigenen Zeit- und Lebensgestaltung flexibler zu sein. 74 Prozent gaben an, ihr eigener Chef sein zu wollen, während das im Vorjahr noch 66 Prozent als Motiv nannten. 68,8 Prozent wollten eigene Verantwortung tragen und 64,9 Prozent gaben an, immer schon selbständig sein zu wollen. Das waren 2020 noch 55 Prozent“, kommentiert Christoph Mathis, Leiter des Gründerservice in der WKV‚ die Ergebnisse. Zwar haben sich die Motive in der Verteilung leicht geändert, doch im Jahresvergleich haben sie sich Großteils verstärkt. So sehen beispielsweise 57,1 Prozent der Gründer:innen in der Selbständigkeit auch die Möglichkeit, ihr Einkommen zu steigern, im Jahr 2020 waren das noch 54 Prozent. 

Wo der Schuh drückt

Sozialversicherung, Steuern und Abgaben sind mit 27,3 Prozent das meistgenannte Gründungshindernis für Vorarlbergs Neugründer:innen. Zu jeweils 26 Prozent hakt es in Sachen Finanzierung der Unternehmensgründung durch Eigenmittel sowie in Puncto Allgemeine rechtliche Anforderungen und Amtswege. 14,3 Prozent sehen die Rekrutierung und Auswahl von Mitarbeitenden problematisch. „Das spricht eine deutliche Sprache und gibt unseren Bemühungen Recht. Steuerliche Entlastung, Entbürokratisierung, Finanzierung und Fachkräfte – das sind und bleiben unsere zentralen Anliegen, um die Rahmenbedingungen des Gründungsstandorts Vorarlberg zu verbessern“, stellt Direktor Christoph Jenny klar. 

Gründen im Trend

Die generell sehr positive Einstellung zur Neugründung erklärt Mathis dadurch, dass „Gründen gesellschaftsfähiger und trendiger geworden ist, insbesondere auch durch den zunehmenden Einfluss der globalen Start-up-Szene, von Social-Media-Kanälen, Medien und Politik.“ Nach wie vor sind „klassische Branchen“ wichtige Gründungssegmente. Künftig werden aber Themen wie Umwelt, Klima oder Digitalisierung immer mehr in den Blickpunkt rücken – und damit auch Neugründer:innen und Unternehmer:innen als Lösungsanbieter fordern.  

Anlaufstelle für Gründer:innen

Das Gründerservice der Wirtschaftskammer Vorarlberg ist die erste Anlaufstelle für Neugründer:innen und verfügt über ein umfassendes Informations- und Beratungsangebot. „Die Serviceabteilung bietet Beratungen, Weiterbildung, zahlreiche Online-Tools und ein Netzwerk an Expert:innen zur Unternehmensgründung und Betriebsnachfolge“, erklärt Christoph Mathis. Während der Pandemie gab es einen deutlichen Anstieg und eine intensive Nutzung von Online-Gewerbeanmeldungen, Online-Gründungsberatungen oder Webinaren. Aber auch die physischen Beratungen und die Anzahl der Workshop-Teilnehmer:innen haben sich angesichts der jeweils geltenden Regelungen und Maßnahmen auf einem stabilen Niveau gehalten. „Selbstverständlich werden wir auch künftig nach Möglichkeit die physischen Beratungen wie auch die gut genutzten Online-Angebote weiterhin anbieten“, erklärt Mathis. 

Eckdaten Gründerstatistik:

  •  Anteil nach Sparten

Mit einem Anteil von 37,9 Prozent dominierte laut der aktuellen Gründerstatistik der Wirtschaftskammer Österreich im Spartenvergleich wieder das Gewerbe und Handwerk – gefolgt vom Handel mit 29 Prozent und der Sparte Information und Consulting mit 20,2 Prozent. Mit 7,2 Prozent bleibt es in der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft auf Vorjahresniveau, in der Sparte Transport und Verkehr stieg der Anteil von 4,8 Prozent (2020) auf 5,5 Prozent.

  • Frauenanteil auf Kurs

Vorarlberg 48,7 % Österreich 45,1 % (2006: 38,9 %)

561 Frauen haben 2021 in Vorarlberg ein Einzelunternehmen gegründet.

  • Durchschnittsalter (Einzelunternehmen) bei Gründer:innen

Vorarlberg 37,1 Jahre Österreich 36 Jahre

Die Meisten Gründungen fallen in die Altersgruppe 30 bis unter 40 (34,1 %), gefolgt von 20 bis unter 30 (30,6 %)

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