Industrie
© Mauche Daniel

Industrie ist Garant für Stabilität

„Die heimische Industrie trotzt seit zwei Jahren erfolgreich der COVID-Krise, steht aber mit dem immer größer werdenden Mitarbeitermangel sowie den steigenden Energie- und Rohstoffpreisen vor sehr großen Herausforderungen“, fasst Industrie-Spartenobmann Ing. Markus Comploj, MBA, die Konjunkturumfrage für das vierte Quartal 2021 zusammen. Zunehmende Absonderungen von Infizierten und nicht Infizierten belasten aktuell die Produktionsbetriebe massiv - ein Zeitplan für weitere Lockerungen bei den COVID-Maßnahmen wird daher dringend gefordert.


An der quartalsmäßigen Umfrage der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer Vorarlberg und der Industriellenvereinigung (IV) Vorarlberg haben sich 44 Unternehmen mit insgesamt 27.399 Beschäftigten beteiligt. Der „Geschäftsklima-Index“ der Vorarlberger Industrie – das ist der Mittelwert aus der aktuellen Geschäftslage und der Einschätzung der Geschäftslage in sechs Monaten - hat sich gegenüber dem 3. Quartal 2021 weiter verbessert. Er stieg von +44,00 auf +46,90 Prozent-Punkte. 

Auf beinahe allen Ebenen haben sich die Ergebnisse gegenüber dem 3. Quartal 2021 verbessert. Auch der Ausblick auf die kommenden sechs Monate ist vielversprechend. Sowohl die aktuelle Geschäftslage - 78 Prozent der befragten Unternehmen beurteilen sie als gut, nur drei Prozent als schlecht – als auch die Geschäftslage in sechs Monaten (24 Prozent erwarten eine weitere Verbesserung) werden sehr positiv gesehen.

Ähnliches gilt für den derzeitigen Auftragsbestand (für 80 Prozent ist er gut) und die Auslandsaufträge der Industrieunternehmen. 77 Prozent beurteilen die aktuellen Stände ihrer Auslandsaufträge als gut, 22 Prozent als gleichbleibend und nur ein Prozent als schlecht. Das bestätigt zum einen die intensive Exporttätigkeit der Vorarlberger Unternehmen, aber zum anderen auch die gestiegene Abhängigkeit von internationalen Entwicklungen (Energie- und Rohstoffpreise, Zinspolitik usw.) bzw. Ereignissen (Stichwort aktuell Ukraine-Krise). 

Erhöhung des Mitarbeiterstandes

Sehr erfreulich sind die Aussichten in Bezug auf den Mitarbeiterstand. Über die Hälfte (55 Prozent) der befragten Industrie-Unternehmen wollen in den kommenden drei Monaten zusätzliche Mitarbeiter:innen einstellen. Nicht eines plant den Mitarbeiterstand zu reduzieren. Comploj: „Wermutstropfen bleibt die schwierige Suche nach Mitarbeiter:innen auf allen Ebenen. Auch die gestiegenen Absonderungsfälle belasten die Unternehmen derzeit enorm.“ 

Die aktuelle Ertragssituation wird als zufriedenstellend beurteilt: 49 Prozent sprechen von einer derzeit guten, 37 Prozent von einer durchschnittlichen und 14 Prozent von einer schlechten Ertragssituation. Die zu erwartende Ertragssituation in den kommenden sechs Monaten dürfte aber leicht rückläufig sein. 29 Prozent rechnen mit sinkenden Erträgen, bedingt vor allem durch die steigenden Rohstoff- und Energiepreise. 

Branchenergebnisse 

Metalltechnische Industrie

Die Metalltechnische Industrie (Maschinen- und Metallindustrie) bleibt weiter der Hauptträger der Konjunktur in Vorarlberg. Für 91 Prozent ist die Geschäftslage aktuell gut. Besonders die Auslandsaufträge tragen zur positiven Stimmung bei. 100 Prozent bezeichnen sie derzeit als gut. „Die Metalltechnische Industrie bleibt ein Jobgarant und Jobmotor. 63 Prozent planen in den kommenden Monaten zusätzliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzustellen“, betont Mag. Michael Amann, Geschäftsführer der Sparte Industrie. Einzig der Ausblick auf die Ertragslage in sechs Monaten trübt das Bild. 40 Prozent erwarten sinkende Erträge. Hier machen sich der Mitarbeiter:innen-Mangel und Preissteigerungen besonders bemerkbar. 

Lebensmittelindustrie (Nahrungs- und Genussmittelindustrie)

Sehr positive Signale kommen auch aus der Lebensmittelindustrie. In dieser Branche sprechen 100 Prozent von guten Auslandsaufträgen, die aktuelle Geschäftslage wird von 90 Prozent als gut bewertet. 88 Prozent erwarten für die kommenden drei Monate eine Steigerung der Verkaufspreise.  Wiederum 79 Prozent planen ihren Mitarbeiterstand zu erhöhen. „Das Bild in der Lebensmittelindustrie ist ein differenziertes. Während die Branche von Rückgängen aufgrund der Corona-Maßnahmen im Tourismus (Hotellerie und Gastronomie) mitbetroffen ist, boomt das Auslandsgeschäft“, sagt Amann. 

Textilindustrie

Die aktuelle Geschäftslage wird aktuell von den Betrieben sehr unterschiedlich eingeschätzt: 39 Prozent erachten sie als gut, 38 Prozent als durchschnittlich und 23 Prozent als schlecht. In den kommenden sechs Monaten wird sie sich voraussichtlich verschlechtern (Saldo: minus 14 Prozent). „Die Textilbetriebe sind aber ebenfalls auf der Suche nach Personal“, stellt Amann fest, „56 Prozent wollen ihren Mitarbeiterstand in den kommenden drei Monaten erhöhen.“ 

Elektro-/Elektronikindustrie

Die Situation hat sich weiter verbessert, ist im Vergleich mit anderen Branchen aber weit weniger gut. „Auffallend ist die Produktionstätigkeit in drei Monaten“, betont Mag. Christian Zoll, Geschäftsführer der IV-Vorarlberg, „79 Prozent rechnen mit einer Steigerung. Das hat seinen Grund aber auch in den Lieferproblemen bei Vormaterialien in den vergangenen Monaten und der dadurch zeitverzögerten Produktionstätigkeit.“ Über 80 Prozent rechnen mit einer verbesserten Ertragssituation in sechs Monaten. 

Verpackungsindustrie

58 Prozent der befragten Unternehmen der Verpackungsmittelindustrie beurteilen die aktuelle Geschäftslage als gut. Mit steigenden Verkaufspreisen rechnen 74 Prozent. „Das wird sich auch in der Ertragssituation in sechs Monaten niederschlagen“, stellt Zoll fest, „für 45 Prozent wird sie sich gemäß Umfrage verbessern, für 42 Prozent gleichbleiben und für 13 Prozent voraussichtlich verschlechtern.“ 

Mehr Flexibilität beim Freitesten

„Die Vorarlberger Industrie begrüßt die Lockerung der COVID-Maßnahmen. Wir fordern jetzt aber einen raschen Übergang zu einem Leben mit COVID ohne besondere Einschränkungen“, erklärt Industrie-Spartenobmann Markus Comploj. Es brauche weitere Schritte hin zu einer Normalisierung und ein Umdenken in der Strategie, zumal die Lage in den Krankenhäusern immer als entscheidender Gradmesser angesehen wurde. „Wir müssen planen können und fordern daher konkrete Termine für weitere Lockerungsschritte der Covid-Maßnahmen ab Mitte Februar,“ betont Comploj.

Kritisch gesehen werden besonders die Absonderungen von Mitarbeiter:innen ohne Symptome. Comploj: „Mehrere tausend Beschäftigte fehlen uns dadurch, mit steigender Tendenz und völlig unplanbar. Ein späteres Freitesten als nach dem 5. Tag, vor allem bei Kontaktpersonen ohne Symptome, ist völlig unverständlich und bringt uns zusätzlich und unnötig unter Druck.“ Jeder Tag, den Mitarbeiter:innen weniger fehlen, hilft der Vorarlberger Wirtschaft“, betont Markus Comploj. Man sehe keinerlei Überlastung der Intensivbetten, daher müsse man neue Schlüsse ziehen und den Mitarbeitern eine raschere Rückkehr an den Arbeitsplatz ermöglichen, wo auch von den Firmen weiterhin getestet wird. „Wenn das Gesundheitssystem, so wie jetzt, weit von einer Überlastung entfernt ist, muss spätestens Anfang März überhaupt Schluss sein mit der Absonderung von symptomfreien Kontaktpersonen,“ hält Comploj fest. 

Fokus wieder auf die Zukunftsthemen lenken…

Kinderbetreuung: Öffnungszeiten verlängern, Schließtage reduzieren

Spartenobmann Comploj fordert als wesentliche Maßnahme gegen den Mitarbeiter:innenmangel eine leichtere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die Industrie geht hier mit immer individuelleren Arbeitszeitregelungen voran. Gefordert ist nun die öffentliche Hand mit ihren Betreuungsangeboten in den Kinderbetreuungseinrichtungen. „Die jungen, engagierten und bestens ausgebildeten Frauen und Männer in Vorarlberg dürfen nicht durch fehlende Betreuungsplätze oder unbrauchbare Öffnungszeiten bei der Kinderbetreuung in ihren beruflichen Karrieren behindert werden“, hält Comploj fest. Gerade in ländlichen Regionen brauche es dringend Investitionen in den Ausbau der Kapazitäten ganztägiger Kinderbetreuung, mit optimierten Öffnungszeiten. Um eine funktionierende Produktion sicher zu stellen, müssen sich unsere Mitarbeiter:innen, die Eltern sind, über das gesamte Jahr auf eine qualitativ hochwertige Kinderbetreuung verlassen können. Die Kinderbetreuung in den Sommermonaten stellt aktuell eine besondere Herausforderung dar.

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