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"Weder Bauch noch Hirn haben rebelliert."

Der neue Wirtschaftskammer-Präsident Wilfried Hopfner im Gespräch über seine Entscheidung, die Funktion anzunehmen, seinen Vorgänger Hans Peter Metzler und die nächsten Schritte in der Organisation.

Gratulation vorweg zur Bestellung als neuer Präsident der Wirtschaftskammer Vorarlberg. Herr Hopfner, Sie haben damit einen wichtigen Schritt zur Klarheit gesetzt. Eine leichte Entscheidung?
In der Situation habe ich – als ich gefragt wurde – schnell erkannt, dass die Wirtschaftskammer möglichst aus dem politischen Schussfeld genommen werden muss. Weil hier Mitarbeitende und Führungskräfte einen guten Job machen und es für sie wichtig ist, zu wissen, wo die Reise nun hingeht und sie sich nicht wochen- oder monatelang in einem perspektivlosen Strudel befinden müssen. Ich habe mir angewöhnt bei wichtigen Entscheidungen auf Hirn und Bauch zu hören. Beide haben nicht rebelliert.

Was macht Sie zu einem unternehmerischen Menschen?
Es wurde ja schon geschrieben, ich bin der erste Nicht-Unternehmer an der Spitze der WKV. Das ist zwar richtig, denn ich habe kein eigenes Unternehmen, mich aber ein Leben lang als Unternehmer gefühlt. Ich sehe mich sozusagen als Unternehmensmanager. Ich durfte das Unternehmen Raiffeisenlandesbank mit meinen Kollegen in einem Team führen. Darum sind mir Führung, Leadership und besonders die Menschen wichtig.

Auch die Mitgliedsbetriebe der Wirtschaftskammer erwarten sich Antworten...

Die Mitglieder dürfen sich zurecht zukunftsweisende Lösungen erwarten. In der Mitgliedervertretung sind viele politische Parteien zu finden. Da ist es mir wichtig zu betonen, dass es nicht darum geht, parteipolitische Interessen in der Wirtschaftskammer auszudiskutieren, sondern sachpolitische Ideen im Vordergrund stehen müssen. Am Ende des Tages geht es schlichtweg einfach darum, dass alle Vorarlberger Unternehmen den Wirtschaftsstandort und damit auch den Lebensstandort Vorarlberg gestalten und ihn zu dem gemacht haben, was er heute ist.

Was braucht es aus Ihrer Sicht dafür?
Dafür braucht es von der Politik geschaffene Rahmenbedingungen. Ohne ins Detail gehen zu wollen, sind das Straßen, ist das die Digitalisierung und es sind die Themen von Raum und Platz für die Unternehmen, das ist das Thema Frauen in der Wirtschaft, die Kinderbetreuung, das umfassende Thema der Fachkräfte und im Besonderen der so wichtige Bereich der Nachhaltigkeit. Die Wirtschaftskammer will hier bei diesen und auch anderen Themen als Sparringpartner der Politik agieren und auch klar Position beziehen. Wir werden mit der Politik und von möglichst vielen Sichtweisen getragen entscheiden und tragfähige Lösungen finden müssen.

Ihr Vorgänger, Hans Peter Metzler, hat da viel gute Vorarbeit geleistet.

Absolut, ich identifiziere mich völlig mit dem von Hans Peter Metzler initiierten Strategieprozess Dis.Kurs Zukunft. Bei ihm möchte ich mich sehr herzlich für die großartige Vorarbeit und seine guten Ideen bedanken. Mit viel Herzblut und mit seinen Stärken hat er dieses Haus wesentlich mitgeprägt. Auch dafür gebührt ihm großer Dank. Damit ist auch klar, dass wir vieles von dem, was wir im Präsidium mit ihm mitentwickeln durften, auch fortsetzen, insbesondere den Dis.Kurs. Wichtig ist mir, dass wir weiterhin daraus klare und konkretisierte Umsetzungsschritte ableiten.

Wie haben Sie die Wirtschaftskammer in den vergangenen zwei Jahren wahrgenommen?
Ich habe sie als leistungsorientiert und engagiert wahrgenommen. Die Bewältigung der Aufgabe in der Pandemie habe ich als sehr gut empfunden. Zahlreiche Rückmeldungen bestätigen das, gerade in Bezug auf das Dienstleistungsangebot. Was wir uns aber immer fragen müssen: Sind das noch die Dienstleistungen, die heute gebraucht werden oder sind andere notwendig? Dazu kommt, dass wir mit der Außenwirtschaftsorganisation und dem WIFI über hervorragende Einrichtungen verfügen, die nicht nur den großen Unternehmen zugutekommen, sondern der gesamten Wirtschaft mit ihren Beschäftigten.
Groß und klein, die verschiedenen Branchen, das macht es aus, und hier ist die Wirtschaftskammer eine wichtige Vernetzerin. Auch wenn manche nicht gleich unmittelbar profitieren, erlangen sie eben durch die Vernetzung einen Nutzen.

Das Thema Nachhaltigkeit ist Ihnen wie auch schon Hans Peter Metzler ein Herzensanliegen.

Seit vielen Jahren bin ich davon überzeugt, dass Ökologie und Ökonomie einen besseren Paarlauf finden müssen. Daher geht die ökosoziale Steuerreform in die richtige Richtung.
Wir werden den Planeten nur retten, wenn wir auf die Umwelt schauen und umgekehrt die Unternehmen auch die Rahmenbedingungen dazu vorfinden. Das ist ein riesiger Transformationsprozess und aktuell ist viel Vorleistung dafür notwendig. Hier einen gangbaren Weg zu finden, der unsere Wettbewerbsfähigkeit nicht zu sehr beeinflusst, aber zukunftsfähig ist, wird nicht einfach. Die richtig verstandene Nachhaltigkeit beinhaltet Ökologie, Ökonomie und die die Gesellschaft. Diese müssen stark zusammenspielen.
Wenn man etwas tut, sollte es nach Möglichkeit auf alles einzahlen, und nicht das eine zu sehr belasten. Die, die es zahlen müssen, sollten das auch verkraften können.

Was sind die nächsten Schritte?

Zunächst stehen viele Gespräche mit Funktionär:innen und den Verantwortlichen in den Fachgruppen an, um zu erfahren, was sie derzeit brauchen, um gemeinsam den Wirtschaftsstandort Vorarlberg auch im Zusammenspiel mit der Politik voranzubringen. Ich möchte aber auch intern sehr genau hineinhören, welche Verbesserungen – Stichwort Unternehmenskultur – für die Mitarbeitenden notwendig sind.

Sie haben eine klare Vision, was die Wirtschaftskammer anbelangt...
Meine Vision ist es, unsere Wirtschaftskammer als topmodernes Dienstleistungsunternehmen und als Kompetenzzentrum für eine nachhaltige Wirtschaftspolitik in Vorarlberg zu positionieren. Dafür bin ich gemeinsam mit dem Team in der WKV bereit, Verantwortung zu übernehmen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Interview: Herbert Motter

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